Fotografieren
(Niels Enderlein 2026)
Fotografieren ist ein sehr interessantes Hobby.
Ich selber beschäftige mich seit ca. 30 Jahren damit und ich lerne
immer noch wieder etwas dazu. Wie bei vielen Hobbys kann man beim
Fotografieren eine Menge lernen, insbesondere lernt man eine Menge über das "Sehen".
Menschen sehen mit dem Gehirn, nicht mit den Augen. In unserm Gehirn ist
ein Abbild der gesamten, uns bekannten Umgebung gespeichert: unser Universum.
Alles was wir in der nahen und fernsten Umgebung kennen ist hier eingeordnet
und durch Erinnerung auf Abruf bereit.
Das Auge betrachtet jeweils nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus diesem
Universum, und zwar den, der in der jeweiligen Situation aktuell für uns
relevant ist. Wir richten das Auge auf den Weg, den wir gehen wollen um zu
checken, ob wir einem Hindernis ausweichen müssen. Oder wir kontrollieren
den Fortschritt der Handlung, die unsere Hände vollführen. Wir betrachten
das Objekt, das unsere Hände greifen sollen, den Platz aber, wo wir ein
Objekt abstellen, eine Tasse z.B. schauen wir gar nicht an, den kennen wir
schon. Die Hände finden den Weg auch ohne Kontrolle der Augen.
Ein Geräusch, das wir nicht einordnen können, veranlasst uns fast unwillkürlich
hinzusehen. Denn dann taucht etwas in unserem Universum auf, das noch nicht
im Gehirn abgelegt ist. Es muss untersucht und eingeordnet werden. Ein bekanntes
Geräusch verursacht diese Handlung nicht.
Um etwas neues oder eine Veränderung in unser Universum aufnehmen zu können müssen
wir es ansehen. Dazu hat unser Auge eine Optische Linse, mit der ein Abbild des
vor dem Auge befindlichen Lichtes auf die im inneren des Auges befindliche Netzhaut
scharf projiziert werden kann. Die Reize der Netzhaut werden über den Sehnerv in
das Gehirn übertragen, wo ein scharfes Abbild von dem Ausschnitt der Umgebung entsteht,
den wir gerade betrachten.
Wie so oft in der Technik dient diese natürliche Konstruktion als Vorbild für
unsere künstlichen Augen, die Foto- und Video-Kameras.
Die technische Auseinandersetzung mit dieser Thematik ermöglicht es dem Menschen
Hilfsmittel zu konstruieren. Wenn das Abbild unserer Augen mit den Jahren immer
unschärfer wird, korrigieren wir die Funktion der natürlichen Augenlinse mit einer
zusätzlichen Glaslinse, einer Brille.
Das Prinzip einer jeden Kamera, egal ob Analog- Digital- oder Videokamera
ist immer dasselbe. Eine "Kammer" hat auf der einen Seite ein Loch, in das das
Licht einfällt und innen auf der anderen Seite eine Fläche, die das Licht
aufnimmt. Die verschiedenen Kameras unterscheiden sich hauptsächlich durch
diese "Fläche" im Weiteren Bildaufnehmer genannt. Bei einem analogen Fotoapparat besteht diese Fläche aus
einem Film, bei Digital- und Videokameras aus einer elektronischen Sensorfläche,
die jeweils durch das Licht angeregt bzw. "belichtet" werden. Während bei einem
Film ein Chemischer Prozess diese Information speichert, muss bei einer Digital-
oder einer Videokamera diese Information elektronisch gespeichert werden um
daraus dann das Bild zu erzeugen.
Bei jedem Fotografieren spielen folgende vier Begriffe eine absolut bedeutende
Rolle:
1. Belichtungszeit
2. Focus
3. Blende
4. Brennweite
Bevor ich diese rein Technischen Begriffe näher erkläre, möchte ich nochmal
einfügen:
Ein gutes Foto entsteht meistens im Kopf. Ein Fotograf (auch ein Hobbyfotograf)
schaut sich oft seine Umgebung genauer an. Er betrachtet sie nicht nur um beim
Gehen oder Arbeiten um seine Handlungen zu kontrollieren, sondern er betrachtet
viel häufiger seine Umgebung mit der Frage im Hinterkopf "ist dieses Objekt
oder diese Ansicht möglicherweise geeignet als Inhalt eines interessanten Fotos?"
Man lernt viel über das Fotografieren durch das Sehen, so wie man über das Sehen
durch das Fotografieren lernen kann. Hierzu zählt das Ansehen der Umgebung wobei
man feststellt, dass dieselbe Umgebung bei einem anderen Licht ganz anders aussehen
kann. Ebenso interessant ist das Ansehen von Fotos. Bei der heutigen Reizüberflutung
gehen leider sehr viele Fotos von Profis in der Masse unter. Meistens blättern wir
achtlos über die vielen Meisterwerke hinweg die in großer Masse in den Illustrierten
abgedruckt sind. Besonders in ganzseitigen Werbeanzeigen sind oft sehr aufwendige
Foto Arbeiten dargestellt, denen wir leider oft kaum Beachtung schenken.
Hat ein Fotograf aber dann etwas erspäht, das ihm fotografierenswert erscheint,
nimmt er seine Kamera hervor um das festzuhalten. Nun kommt unweigerlich die
Technik ins Spiel.
Die vier oben genannten Begriffe "Focus", "Brennweite", "Blende" und "Belichtungszeit"
sind nun mal unabdingbar zu berücksichtigen, wenn man ein schönes Foto machen will.
Mancher mag nun ungläubig die Stirne runzeln und sich sagen "Ich hab schon hundert
schöne Fotos gemacht, aber von diesen Begriffen hab ich noch nie etwas gehört!".
Das liegt einfach daran, dass heutige moderne Knipsomaten oft alles "Fully Automatically"
wie von selbst erledigen. Sogar die Brennweite wird schon automatisch geregelt und
wenn das Licht perdü nicht reichen will, spring vollautomatisch der Blitz in die
Bresche um alles zu retten und ja den Fotografen von jeglichem Eingreifen zu befreien.
Einfach Anvisieren und Klick (Blitz) ist das Foto fertig!
Das Ergebnis kann sich heute meist durchaus sehen lassen. Ein Profi muss schon einiges
an Können investieren, wenn er bei diesen automatischen Ergebnissen mithalten oder
sie sogar übertreffen will. Im Allgemeinen lohnt es sich oft nur in besonderen Situationen überhaupt die Automatik abzuschalten.
Wer nun ein besonders schönes Objekt oder eine besonders schöne Aussicht ausgewählt
und im richtigen Moment auch noch seine Kamera dabei hat, hat meistens schon
gewonnen.
Trotzdem gibt es eine ganze Reihe von Situationen, wo es sich lohnen kann, in das ganze
Geschehen händisch einzugreifen. Wo kreative Fotografie eine Menge Wirkung bringen
und das Foto entscheidend verschönern kann. Um dies zu können, muss man jedoch verstehen
was abgeht, das heißt, dass es höchste Zeit ist, dass ich endlich die vier Begriffe:
"Focus", "Brennweite", "Blende" und "Belichtungszeit" erkläre.
1. Belichtungszeit
Standartmäßig wird eine Belichtungszeit von einer dreißigstel Sekunde verwendet, also
eine 1/30 S. Wenn ich die Belichtungszeit verkürze, also 1/60 S (die Zahl wird größer,
aber die Belichtungszeit wird kürzer) dann wird das Bild dunkler. Verlängere ich die
Belichtungszeit, z.B. auf 1/15 S wird das Bild heller. Aber hier kommt gleich ein
Problem ins Spiel. Wenn ich länger als eine 1/30 S belichte hab ich eine hohe Gefahr,
dass das Bild unscharf wird. Man muss die Kamera schon sehr ruhig halten bei 1/30 S und
bei 1/15 S sollte man sich schon aufstützen oder anlehnen, damit die Verwacklungsunschärfe
vermieden wird.
2. Focus
Der Focus hängt direkt mit der Linse, oder dem Linsensystem zusammen, dass das Bild
der Umgebung auf die Lichtempfindliche Fläche scharf abbilden soll. Es muss mehr
oder weniger genau auf die Entfernung zwischen dem abzulichtenden Objekt und der
lichtempfindlichen Fläche eingestellt werden. Bei einer vollautomatischen Kamera
erledigt dies in der regel der sogenannte "Autofocus", die automatische
Scharfstellung.
Bei sehr einfachen, meist auch billigeren Kameras wird ein sogenannter "Fixfocus"
eingesetzt. Das bedeutet, dass der Focus schon ab Werk eingestellt ist und nicht
mehr verändert werden kann. Meist wird bei so einer Kamera ab einer bestimmten
Entfernung (oft ab anderthalb Meter) alles scharf abgebildet bis in den sogenannten
"Unendlichbereich".
Ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung:
Sie wollen eine Person fotografieren, die genau 2 Meter von ihnen entfernt steht. Also
stellen sie den Focus am Objektiv auf 2 Meter ein. Ein Objekt, dass in 1 Meter Entfernung
davor steht wird möglicherweise unscharf. Objekte im 5 Meter entfernten Hintergrund werden
ebenfalls unscharf. Aber die Person wird scharf abgebildet, wenn die Kamera ruhig genug
gehalten wird oder die Belichtungszeit kurz genug ist.
3. Blende
Bei sehr einfachen Kameras ist eine Blende voreingestellt und kann nicht verändert werden.
Bei Objektiven oder höherwertigen Kameras kann man auf die Öffnung der Blende Einfluss nehmen.
Die Blende ist ein Loch hinter der Linse, durch das das Licht auf den Bildaufnehmer fällt. Je größer dieses Loch ist, desto heller wird das Bild. Aber die Größe der Öffnung hat auch wiederum Einfluss auf die Schärfe.
Eingestellt werden im Allgemeinen Werte zwischen 1:1,4, 1:2,8 bis hin zu 1:16. Da es sich auch hier, wie bei der Belichtungszeit um ein Verhältnis handelt, bedeutet eine kleinere Zahl hinten eine größere Öffnung und je größer die Zahl desto kleiner das Loch und desto dunkler das Bild.
In unserem Beispiel würde eine sehr weit geöffnete Blende dazu führen, dass nur die Person scharf abgebildet wird, Objekte im Vordergrund oder Hintergrund aber unscharf verschwimmen. Drehe ich die Blende weiter zu, wird das Bild dunkler und der Bereich, in dem alles scharf abgebildet wird erweitert sich. Bei einer stark geschlossenen Blende würden auf die Objekte, die nur 1 Meter entfernt sind noch scharf dargestellt, ebenso wie gleichzeitig die Objekte im 5 Meter entfernten Hintergrund.
4. Brennweite
Die Brennweite ist normalerweise fest vorgegeben. Bei Systemkameras kann man durch Wechseln eines Objektivs eine andere Brennweite verwenden. Standard ist das 50mm Objektiv, das Normalobjektiv genannt wird. Dazu gibt es mit 35mm ein Weitwinkelobjektiv oder mit 120mm ein sogenanntes Teleobjektiv. Es gibt auch alle möglichen anderen Brennweiten bei den diversen Objektiven. Gemeint sind hier die sogenannten "Festbrennweiten".
Immer weiter verbreitet sind die sogenannten Zoom-Objektive. Bei diesen kann man die Brennweite verstellen, meist vom Weitwinkel bis in den Telebereich. Das hat natürlich einen großen Vorteil, doch diese "Gummilinsen" haben auch einen großen Nachteil. Sie sind im Allgemeinen nicht so "lichtstark", wie die Festbrennweiten. Mit Lichtstark ist gemeint, dass man nicht so eine große Blendenöffnung einstellen kann, wie bei den Festbrennweiten. Zoomobjektive bieten selten eine Blendeinstellung von 1:1,4 an und je größer ich die Brennweite wähle, desto kleiner wird die nutzbare Blendenöffnung.
Auch muss man feststellen, dass bei größerer Brennweite die Schärfentiefe abnimmt. Ebenso nimmt bei größerer Brennweite das Verwacklungsrisiko zu. Als Faustregel sagt man, dass man als Belichtungszeit quasi die Brennweite einstellen soll. Also bei 120mm Brennweite sollte man eine 1/120 S (also eine hundertzwanzigstel Sekunde) verwenden.
Aber, es gibt noch einen weiteren Parameter, den ich bisher der Übersicht halber ganz außer Acht gelassen habe:
Die Lichtempfindlichkeit des Bildaufnehmers.
Früher musste man einen anderen Film einlegen um eine andere Lichtempfindlichkeit zu verwenden. Bei den heutigen
Digitalkameras kann man diesen Wert verstellen oder durch die Automatik verstellen lassen. Standard ist hier
ISO 100. Je größer der Wert, desto heller das Bild. Das kann in manchen Situationen, wenn das Licht nicht reicht,
die Rettung sein. Aber Vorsicht, denn je höher dieser Wert ist, desto Grobkörniger war früher der Film. Bei digital
en Bildaufnehmern verstärkt eine Erhöhung des ISO Wertes das Bildrauschen. Das kann ein Foto total zerstören.
Wie stark sich das auswirkt hängt stark davon ab, wie groß der Bildaufnehmer ist. Um das einordnen zu können sollten
wir uns ein wenig mit den Formaten der Bildaufnehmer beschäftigen.
Am Anfang der Fotografie wurden relativ große Platten verwendet. 20 x 20 cm waren keine Seltenheit, teilweise auch
noch größer. Das lag einfach daran, dass die Qualität der ersten chemischen Bildaufnehmer noch nicht so weit
entwickelt war. Später wurde das Format immer kleiner, so dass irgendwann eine Filmrolle entwickelt wurde, wo
ein 60mm breiter Film aufgewickelt war. Dieser Film wurde in der Kamera z.B. 90mm weit heraus gezogen für ein
rechteckiges Bild. Oder das Bild wurde im Format 60x60mm aufgenommen, was dann Mittelformat genannt wurde.
Später war der Film auf der Rolle nur noch 24mm breit und es setzte sich das Kleinbildformat mit 24x36mm durch.
Da die Bildqualität dieser Filme inzwischen hervorragend war, wurden in der ganz großen Mehrzahl solche
Kleinbildkameras genutzt, sowohl im Profibereich als auch bei den Hobbyfotografen. Dieses Format wurde ein
Standard, der auch in die digitale Welt Einzug hielt.
Auf dieses Format, Kleinbild bzw. KB beziehen sich die Angaben zur Brennweite. Tatsächlich sind
digitale Bildaufnehmer eher selten so groß. In Handys und einfacheren Digitalkameras werden wesentlich
kleinere Bildaufnehmer verwendet. In Systemkameras gibt es dann schon sehr viel größere Bildaufnehmer.
Die folgenden drei Formate haben sich bisher durchgesetzt:
Micro Four Third
Bei diesem Format ist der Bildaufnehmer ein viertel so groß, wie das Kleinbildformat. Das bedeutet die
Kantenlänge des Bildaufnehmers beträgt jeweils die hälfte. Wenn ich jetzt ein 50mm Objektiv an so eine
Kamera anschließe habe ich die doppelte Brennweite, also 100mm.
APS-C
Hier habe ich die anderthalbfache Brennweite, also 75mm.
Vollformat
Anders als das Vollformat bei den analogen Filmen, was bei ca. 60x120mm liegt, bezeichnet eine Vollformatkamera in
der digitalen Welt eine Kamera, die das volle Kleinbildformat verwendet. Also ist der Bildaufnehmer 24x36mm groß.
Das Objektiv behält seine aufgeprägte Brennweite.
Was hat das alles mit dem ISO-Wert zu tun? Eine ganze Menge. Je größer der Bildaufnehmer, desto geringer das
Bildrauschen. Während ich bei vielen einfacheren Digitalkameras schon bei ISO 800 mit starkem Rauschen rechnen
kann, kann ich bei einer Systemkamera durchaus ISO 1600 noch gut verwenden. Grob gesehen gilt, je größer der
Bildaufnehmer, desto besser die Bildqualität. Aber man darf auf keinen Fall das Baujahr der Kamera außer acht
lassen, denn so wie damals bei der Entwicklung von den großen Bildplatten zum Film haben sich auf die digitalen
Bildaufnehmer rasend schnell weiterentwickelt.
Ab 2015 liefern nahezu alle Digitalkameras gute Ergebnisse. 10 Jahre später liefern aber auch Handykameras
Ergebnisse, die es für viele fraglich macht, ob es sich überhaupt noch lohnt in eine teure Kameraausrüstung zu investieren.
Es geht letztlich weniger um die Frage nach der Bildqualität, sondern eher um die Frage: Wie will ich meinen
Fotoapparat bedienen? Wenn ich mit den oben genannten Parametern spielen und diese manuell beeinflussen will,
ist ein Handy eher ungeeignet, da ich erst in entsprechenden Menüs im Profimodus auf dem Touchscreen die
Einstellungen vornehmen muss, was eigentlich umständlich ist. An einer Kamera habe ich jeweils einen Drehring am
Objektiv für die Blende und einen für den Focus und ggf. eine weitere Einstellmöglichkeit für den Zoom, also die
Brennweite. Belichtungszeit und ISO-Stärke kann ich am Kameragehäuse einstellen, wobei oft einzelne Drehräder zur
Verfügung stehen.
Auf der Einen Seite macht es mir persönlich Spaß die oben genannten Parameter direkt manuell zu beeinflussen und
mit dem Blick durch den Sucher einer richtigen Kamera zu fotografieren. Dabei verwende ich an meiner Kamera nur sehr
selten den Automatikmodus, vor allem, weil ich oft manuelle Objektive nutze, die mit der Automatik nicht viel anfangen können.
Auf der anderen Seite ist nun mal die beste Kamera die, die man dabei hat und so kommt bei mir auch sehr oft das
Handy zum Einsatz. Auch sollte man nicht vergessen, dass, wenn man die Parameter der Automatik überlässt man sich ggf.
mehr auf die zu fotografierenden Objekte und die Bildgestaltung konzentriert.
Insbesondere bei schwierigen Lichtbedingungen kann es sich lohnen eine richtige Kamera dabei zu haben. Es gibt die alten
Foto-Weisheiten:
Sonne im Rücken - Auslöser drücken
und
Schlechte Kameras gehen mit schlechtem Licht schlecht um.
Daraus folgt für mich, dass draußen in hellem Sonnenlicht auch mit einer mittelmäßigen Kamera ein tolles Foto gelingen kann.
Wenn man aber z.B. drinnen ohne Blitz bei stimmungsvollem Kerzenlicht ein schönes Foto machen will, kann es sich lohnen
eine hochwertige Kamera einzusetzen.